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DSL-Abschaltung: Das musst Du über das Kupfer-Aus wissen

Kupferabschaltung in aller Kürze

  • Das alte Kupfernetz (DSL) soll nach und nach durch schnelle Glasfaser-Leitungen ersetzt.
  • Einen festen bundesweiten Abschalttermin gibt es nicht.
  • Die EU gibt mit dem Digital Networks Act Zielmarken bis 2035 bzw. 2039 vor – bislang aber nur als Entwurf.
  • Niemand steht plötzlich ohne Anschluss da – abgeschaltet wird erst, wenn eine gleichwertige Alternative bereitsteht.
  • Steig idealerweise selbst um, sobald Glasfaser an Deiner Adresse verfügbar ist.

IM ÜBERBLICK

„Gutachten rät zur Kupferabschaltung bis 2030″, „Telekom-Konkurrenten fordern rasches Ende von DSL-Internet“, „EU plant Kupferabschaltung bis 2035″ – solche Schlagzeilen häufen sich gerade im Netz, und bei vielen sorgen sie erst mal für Stirnrunzeln. Heißt das, dass bald Dein Internet zu Hause einfach abgeschaltet wird? Musst Du Dir jetzt schon Sorgen machen, dass Du irgendwann ohne Anschluss dastehst?
Keine Panik. Hinter der „Kupferabschaltung“ steckt ein technischer Umbau, der schon seit Jahren läuft und der Dein Surfen am Ende sogar schneller und zuverlässiger machen soll. Trotzdem lohnt es sich, zu verstehen, was da eigentlich passiert, wen es betrifft und was Du gegebenenfalls tun musst.

Genau das klären wir jetzt.

Warum wird DSL überhaupt abgeschaltet?

Über Jahrzehnte lief Dein Internet zu Hause über das gute alte Kupferkabel, dieselbe Sorte Leitung, über die früher das Telefon verbunden wurde. Das hat lange funktioniert, stößt heute aber an seine Grenzen. Parallel dazu baut vor allem die Telekom seit Jahren ein zweites Netz auf: Glasfaser, das bis in die Wohnung reicht und unter dem Kürzel FTTH („Fiber to the Home“) läuft. Das jahrzehntelang bewährte Kupfernetz wird also nach und nach durch gigabitschnelle Glasfaserleitungen ersetzt.

Zwei Netze nebeneinander lohnen sich nicht

Der erste Grund für die Abschaltung ist denkbar einfach. Niemand braucht zwei parallele Netze, die nebeneinander dasselbe tun. Gerade mit Blick auf Energie- und Stromverbrauch ergibt der Dauerbetrieb von zwei Netzen keinen Sinn. Stell Dir vor, Du würdest zu Hause zwei Heizungen gleichzeitig laufen lassen, obwohl eine davon moderner, sparsamer und leistungsfähiger ist. Irgendwann schaltest Du die alte ab.

Das Kupfernetz ist technisch am Ende

Dazu kommt der technische Zustand. Das Kupfernetz gilt als überlastet und nicht mehr ausreichend leistungsfähig, es ist störanfälliger und verbraucht deutlich mehr Strom als Glasfaser. Wenn Dein DSL abends lahmt, weil die halbe Nachbarschaft gleichzeitig streamt, ist das ein typisches Symptom dieser in die Jahre gekommenen Technik. Glasfaser dagegen ist nicht nur schneller, sondern auch in Herstellung und Betrieb spürbar nachhaltiger.

Für die Telekom rechnet sich Kupfer nicht mehr

Es gibt aber auch einen handfest wirtschaftlichen Grund. Je weiter der Glasfaserausbau voranschreitet und je mehr Menschen einen Glasfaseranschluss buchen, desto unrentabler wird es für die Telekom, das alte Kupfernetz weiterzubetreiben. Für das Unternehmen ist die Abschaltung also kein „Ob“, sondern ein „Wann“. In anderen europäischen Ländern ist dieser Umstieg übrigens schon in vollem Gange.

Auch die Politik will den Umstieg

Und schließlich gibt es politischen Rückenwind. Laut der BürgerBreitbandNetz GmbH rückt das neue Digitalministerium (BMDS) vor allem die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland und das Erreichen der Klimaziele in den Vordergrund, und genau dafür soll das Kupfernetz weichen. Kunden, die heute noch per DSL oder VDSL über Kupfer surfen, wechseln also nach und nach aufs Glasfasernetz. Für diesen Umzug von der einen auf die andere Leitung hat sich der etwas sperrige Begriff „Kupfer-Glas-Migration“ eingebürgert.

Wann wird DSL abgeschaltet?

Die ehrliche Antwort vorweg: Ein einziges, festes Datum, an dem überall in Deutschland gleichzeitig der Stecker gezogen wird, gibt es nicht. Die Abschaltung läuft Gebiet für Gebiet und ist an klare Bedingungen geknüpft. Trotzdem gibt es inzwischen konkrete Fahrpläne, einen aus Deutschland und einen aus Brüssel.

Die Bundesnetzagentur knüpft die Abschaltung an Bedingungen

Im Januar 2026 hat die Bundesnetzagentur ein Regulierungskonzept zur Kupfer-Glas-Migration vorgelegt. Der Grundgedanke darin: Kupfernetze sollen erst dann abgeschaltet werden, wenn nahezu flächendeckend Glasfaser verfügbar ist und der Wettbewerb auf den neuen Netzen gesichert bleibt. Konkret macht die Behörde das an mehreren Bedingungen fest:

  • Mindestversorgung zum Start: Bevor der Umstieg in einem Gebiet überhaupt beginnt, sollen mindestens 80 Prozent der Haushalte und Unternehmen einen Glasfaseranschluss bis in die Wohnung (FTTH) haben.
  • Flächendeckung zur Abschaltung: Zum Zeitpunkt der eigentlichen Abschaltung soll grundsätzlich eine flächendeckende Glasfaserversorgung vorliegen.
  • Freie Anbieterwahl (Open Access): Andere Anbieter sollen Zugang zum Glasfasernetz bekommen, damit Du auch künftig zwischen verschiedenen Anbietern wählen kannst.
Kompass Symbol

Wichtig für Dich: Niemand steht von heute auf morgen ohne Anschluss da!

  • Mindestens 24 Monate vor der tatsächlichen Abschaltung soll die Vermarktung der alten Kupfer-Angebote enden.
  • Mindestens zwölf Monate vor diesem Vermarktungsstopp wird die Abschaltung überhaupt erst angezeigt.  

Die EU gibt mit dem Digital Networks Act den Takt vor

Parallel arbeitet auch die EU an einem Rahmen. Die Europäische Kommission hat im Januar 2026 den Entwurf des Digital Networks Act (DNA) vorgelegt, der unter anderem den Übergang von Kupfer- auf Glasfasernetze regeln soll. Daraus stammen die Jahreszahlen, die gerade durch die Schlagzeilen geistern:

  • Bis 31. Mai 2028: Die nationalen Regulierungsbehörden sollen festlegen, welche Gebiete für die Kupferabschaltung vorgesehen sind.
  • Bis Ende 2035: In sogenannten nachhaltigen Gebieten, in denen 95 Prozent der Grundstücke schnell an Glasfaser anbindbar sind und gleichwertige Alternativen bestehen, soll die Abschaltung verbindlich erfolgen.
  • Ab Ende 2035 bis Ende 2039: In allen übrigen Gebieten soll die Abschaltung beginnen und bis Ende 2039 abgeschlossen sein.
  • Ausnahmen: Regionen, in denen sich der Glasfaserausbau wirtschaftlich nicht lohnt und es keinen passenden Ersatz gibt, können ausgenommen werden.

Ein Punkt zur Einordnung: Der Digital Networks Act ist bislang nur ein Entwurf und steckt noch im europäischen Gesetzgebungsverfahren, in dem sich vieles ändern kann. Die genannten Daten sind also Zielmarken, keine in Stein gemeißelten Abschalttermine.

Was bedeutet das konkret für Dich?

Wenn Du heute noch über DSL surfst, musst Du nicht in Panik verfallen und sofort den Anbieter wechseln. Bis es in Deiner Region ernst wird, vergehen nach den aktuellen Plänen noch Jahre, und Du wirst rechtzeitig und mehrfach informiert, bevor sich etwas ändert. Du gewinnst aber nichts, wenn Du wartest: Sobald an Deiner Adresse Glasfaser verfügbar ist, kannst Du ohne Zeitdruck umsteigen und hast die schnellere, stabilere Leitung schon, lange bevor das alte Kupfernetz überhaupt zur Debatte steht.

Das sagt die Telekom zur DSL-Abschaltung

„Bis jeder Haushalt Glasfaser nutzen kann, ist es noch ein weiter Weg. Wir sind dementsprechend noch weit entfernt von einer möglichen DSL-Abschaltung, sowohl regional als auch bundesweit. Und selbst in Gebieten, in denen es bereits Glasfaser gibt, wird es auch weiter eine DSL-Versorgung geben, solange Verbraucher darauf nicht verzichten wollen. Insofern halten wir es auch für fahrlässig, Kunden schon heute mit angeblichen Abschaltplänen unter Druck zu setzen.“

Sandra Rohrbach: Wann die DSL-Abschaltung kommt – Der Verbraucher wird entscheiden 

Welche Technologien ersetzen DSL?

Glasfaser (FTTH)

Die Glasfaser bis in die Wohnung ist der direkte Erbe von DSL und die Technologie, auf die die meisten Anschlüsse am Ende umziehen werden.

  • Sehr hohes Tempo von einem Gigabit und mehr
  • Stabile Leistung auch zu Stoßzeiten
  • Kein Geschwindigkeitsverlust über lange Strecken 
  • Zukunftssicher und auf steigende Datenmengen ausgelegt
  • Niedriger Stromverbrauch

Kabelinternet

In vielen Haushalten liegt mit dem Fernsehkabel bereits eine Leitung in der Wand, über die sich ebenfalls schnelles Internet beziehen lässt.

  • Hohe Download-Geschwindigkeiten
  • Häufig schon vorhanden
  • Schnell und unkompliziert verfügbar

Mobilfunk und 5G

Internet muss nicht zwingend durch ein Kabel kommen, auch über LTE und vor allem 5G lässt sich ein Haushalt versorgen, indem ein Router mit SIM-Karte das Funknetz in WLAN umwandelt.

  • Keine Kabelverlegung nötig
  • Schnell startklar, ideal als Übergangslösung oder direkt nach einem Umzug
  • Auch dort nutzbar, wo weder Glasfaser noch Kabel liegen
  • Flexibel, da der Router bei Bedarf mitgenommen werden kann

Satelliteninternet

Für abgelegene Höfe oder Regionen, in denen sich Erdkabel kaum lohnen, kommt das Internet aus dem Weltall.

  • Nahezu überall verfügbar
  • Geschwindigkeiten für Alltagsanwendungen
  • Sinnvolle Lösung dort, wo andere Technologien schlicht nicht ankommen

Was passiert mit Deinem Vertrag und der alten Leitung?

Für viele ist das eine der wichtigsten Fragen zur Kupferabschaltung: Was passiert eigentlich mit meinem bestehenden Vertrag und dem bisherigen Anschluss?

Nein, nicht unbedingt. Wird in einem Gebiet das Kupfernetz außer Betrieb genommen, können DSL- oder VDSL-Anschlüsse über die alte Telefonleitung dort nicht mehr genutzt werden. In der Regel informiert der Anbieter die betroffenen Kunden frühzeitig und bietet einen Wechsel auf eine alternative Technologie an – meist Glasfaser, teilweise auch Kabel oder Funklösungen.

Normalerweise nicht. Häufig wird der bestehende Vertrag auf einen neuen Anschluss umgestellt oder durch einen neuen Vertrag ersetzt. Wie genau das abläuft, hängt vom jeweiligen Anbieter ab. Du solltest die Schreiben deines Anbieters daher genau prüfen.

Die Kupferleitung bleibt meist zunächst physisch im Gebäude liegen, wird aber nicht mehr für Telekommunikationsdienste genutzt. Die Betreiber schalten die Technik in den Vermittlungsstellen und Straßenverteilern nach und nach ab. Die Leitung wird dadurch praktisch stillgelegt.

In vielen Fällen ja. Für einen Glasfaseranschluss wird beispielsweise ein Glasfasermodem oder ein neuer Router benötigt. Oft stellen die Anbieter die erforderliche Hardware im Rahmen der Umstellung bereit oder bieten passende Geräte an.

Das hängt vom Angebot des Anbieters ab. Der Wechsel auf Glasfaser wird häufig zu besonderen Konditionen angeboten. Kosten können beispielsweise für Hausanschlüsse, Installationsarbeiten oder neue Hardware entstehen, je nach Ausbaugebiet und Vertrag.

Sonderfall: ländliche Regionen ohne Glasfaser

Auf dem Land ist die Lage zwiespältig. Einerseits bist du später dran, weil der Ausbau dort hinterherhinkt. Das Ministerium warnt ausdrücklich, dass die noch ausstehenden Gebiete zunehmend ländlich und dünn besiedelt sind. Andererseits bist du genau deshalb länger auf eine Brücke angewiesen, falls Kupfer wegfällt, bevor Glasfaser da ist.
Bewegung gibt es trotzdem. Die Europäische Investitionsbank genehmigte im September 2024 einen Kredit von 350 Millionen Euro für den Glasfaserausbau in bis zu 460.000 ländlichen Haushalten. Und für die Übergangszeit ist Funk oft die praktischste Lösung: Gerade in ländlichen Regionen, wo Glasfaser oder DSL noch schleppend vorankommen, kann 5G eine attraktive Alternative sein. Wichtig bleibt die schon erwähnte Schutzregel – ohne gleichwertige Alternative soll dein Kupfer nicht abgeschaltet werden.

Dein Recht auf einen Anschluss

In Deutschland gibt es ein gesetzlich verbrieftes Recht auf einen Internetzugang, und die Kupferabschaltung selbst ist zusätzlich mit einem Schutzmechanismus abgesichert. Aber dieses Recht ist eine Grundsicherung, kein Versprechen auf einen blitzschnellen Glasfaseranschluss. Schauen wir uns beide Seiten an. 

Das Recht auf Versorgung

Seit Mitte 2022 hast Du einen individuellen Anspruch auf eine Mindestversorgung mit Internet. Geregelt ist das in der Telekommunikationsmindestversorgungs-Verordnung (TKMV), die seit dem 1. Juni 2022 gilt. Der Gedanke dahinter ist, dass jeder Mensch ans Netz kommen soll, egal ob in der Großstadt oder auf dem Dorf.
Dahinter stehen konkrete Mindestwerte, die Dein Anschluss erreichen muss. Aktuell sind das mindestens 15 Megabit pro Sekunde im Download, mindestens 5 Megabit pro Sekunde im Upload und eine Latenz von höchstens 150 Millisekunden. Diese Werte werden jährlich überprüft und an die Entwicklung der Versorgungslage angepasst, dürften also mit der Zeit weiter steigen.

Bei der Kupferabschaltung gilt: erst Ersatz, dann Aus

Speziell für die Umstellung von Kupfer auf Glasfaser gibt es eine zusätzliche Absicherung, damit Dir nicht einfach die Leitung gekappt wird. Die Bundesnetzagentur betont, dass das Kupfernetz erst abgeschaltet wird, wenn für alle betroffenen Haushalte eine gleichwertige Glasfaseralternative verfügbar ist. Eine gebietsweise Abschaltung ist überhaupt nur dann vorgesehen, wenn alle Haushalte im Gebiet die Möglichkeit haben, sich an ein Glasfasernetz anschließen zu lassen. Die Abschaltung soll also kein Loch hinterlassen, sondern den alten Anschluss durch einen besseren ersetzen.

Wo die Garantie an Grenzen stößt

Das Recht auf Versorgung ist in der Praxis weniger komfortabel, als es klingt: Es garantiert eine Mindest-, keine Maximalversorgung und kann auch über Mobilfunk oder Satellit erfüllt werden.
Unterm Strich heißt das: Ein gesetzliches Sicherheitsnetz existiert – durch die Kupferabschaltung stehst Du nicht ohne Alternative da. Auf eine bestimmte Technik oder ein bestimmtes Tempo solltest Du Dich aber nicht verlassen. Sind Dir Geschwindigkeit und Stabilität wichtig, steigst Du am besten selbst auf Glasfaser um, sobald sie an Deiner Adresse verfügbar ist.

Häufig gestellte Fragen zur Kupferabschaltung

Eine gesetzliche Pflicht, Glasfaser zu nehmen, gibt es für Privatleute nicht. Faktisch entsteht aber Druck, weil Kupfer gebietsweise abgeschaltet wird. Flächendeckend ist das aber noch lange hin: „Ab 2030″ ist nur ein Fenster für erste lokale Abschaltungen, keine flächendeckende Abschaltung.

Als Ersatz, wo keine Leitung liegt, ja. Vor allem in ländlichen Regionen mit schleppendem Ausbau ist 5G praktikabel. Wo Glasfaser verfügbar ist, ist sie aber stabiler und die bessere Wahl.

Der Hausanschluss ist während der Ausbauphase oft kostenlos; später können Gebühren anfallen. Die Tarife selbst liegen inzwischen auf DSL-Niveau. Genaue Preise hängen von Anbieter und Adresse ab.

Die wird bei der Umstellung mitgenommen (portiert). Dein Telefon läuft danach über den Router statt über die alte Telefondose.

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