Kupferabschaltung in aller Kürze
IM ÜBERBLICK
„Gutachten rät zur Kupferabschaltung bis 2030″, „Telekom-Konkurrenten fordern rasches Ende von DSL-Internet“, „EU plant Kupferabschaltung bis 2035″ – solche Schlagzeilen häufen sich gerade im Netz, und bei vielen sorgen sie erst mal für Stirnrunzeln. Heißt das, dass bald Dein Internet zu Hause einfach abgeschaltet wird? Musst Du Dir jetzt schon Sorgen machen, dass Du irgendwann ohne Anschluss dastehst?
Keine Panik. Hinter der „Kupferabschaltung“ steckt ein technischer Umbau, der schon seit Jahren läuft und der Dein Surfen am Ende sogar schneller und zuverlässiger machen soll. Trotzdem lohnt es sich, zu verstehen, was da eigentlich passiert, wen es betrifft und was Du gegebenenfalls tun musst.
Genau das klären wir jetzt.
Warum wird DSL überhaupt abgeschaltet?
Über Jahrzehnte lief Dein Internet zu Hause über das gute alte Kupferkabel, dieselbe Sorte Leitung, über die früher das Telefon verbunden wurde. Das hat lange funktioniert, stößt heute aber an seine Grenzen. Parallel dazu baut vor allem die Telekom seit Jahren ein zweites Netz auf: Glasfaser, das bis in die Wohnung reicht und unter dem Kürzel FTTH („Fiber to the Home“) läuft. Das jahrzehntelang bewährte Kupfernetz wird also nach und nach durch gigabitschnelle Glasfaserleitungen ersetzt.
Zwei Netze nebeneinander lohnen sich nicht
Der erste Grund für die Abschaltung ist denkbar einfach. Niemand braucht zwei parallele Netze, die nebeneinander dasselbe tun. Gerade mit Blick auf Energie- und Stromverbrauch ergibt der Dauerbetrieb von zwei Netzen keinen Sinn.
Das Kupfernetz ist technisch am Ende
Dazu kommt der technische Zustand. Das Kupfernetz gilt als überlastet und nicht mehr ausreichend leistungsfähig. Es ist störanfälliger und verbraucht deutlich mehr Strom als Glasfaser. Wenn Dein DSL abends lahmt, weil die halbe Nachbarschaft gleichzeitig streamt, ist das ein typisches Symptom dieser in die Jahre gekommenen Technik. Glasfaser dagegen ist nicht nur schneller, sondern auch in Herstellung und Betrieb spürbar nachhaltiger.
Für die Telekom rechnet sich Kupfer nicht mehr
Es gibt aber auch einen handfesten wirtschaftlichen Grund. Je weiter der Glasfaserausbau voranschreitet und je mehr Menschen einen Glasfaseranschluss buchen, desto unrentabler wird es für die Telekom, das alte Kupfernetz weiterzubetreiben. Für das Unternehmen ist die Abschaltung also kein „Ob“, sondern ein „Wann“. In anderen europäischen Ländern ist dieser Umstieg übrigens schon in vollem Gange.
Auch die Politik will den Umstieg
Und schließlich gibt es politischen Rückenwind. Laut der BürgerBreitbandNetz GmbH rückt das neue Digitalministerium (BMDS) vor allem die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland und das Erreichen der Klimaziele in den Vordergrund, und genau dafür soll das Kupfernetz weichen. Kunden, die heute noch per DSL oder VDSL über Kupfer surfen, wechseln also nach und nach aufs Glasfasernetz. Für diesen Umzug von der einen auf die andere Leitung hat sich der etwas sperrige Begriff „Kupfer-Glas-Migration“ eingebürgert.
Wann wird DSL abgeschaltet?
Ein einziges, festes Datum, an dem überall in Deutschland gleichzeitig der Stecker gezogen wird, gibt es nicht. Die Abschaltung läuft Gebiet für Gebiet und ist an klare Bedingungen geknüpft. Trotzdem gibt es inzwischen konkrete Fahrpläne, einen aus Deutschland und einen aus Brüssel.
Die Bundesnetzagentur knüpft die Abschaltung an Bedingungen
Im Januar 2026 hat die Bundesnetzagentur ein Regulierungskonzept zur Kupfer-Glas-Migration vorgelegt. Der Grundgedanke darin: Kupfernetze sollen erst dann abgeschaltet werden, wenn nahezu flächendeckend Glasfaser verfügbar ist und der Wettbewerb auf den neuen Netzen gesichert bleibt. Konkret macht die Behörde das an mehreren Bedingungen fest:
Wichtig für Dich: Niemand steht von heute auf morgen ohne Anschluss da!
Die EU gibt mit dem Digital Networks Act den Takt vor
Parallel arbeitet auch die EU an einem Rahmen. Die Europäische Kommission hat im Januar 2026 den Entwurf des Digital Networks Act (DNA) vorgelegt, der unter anderem den Übergang von Kupfer- auf Glasfasernetze regeln soll. Daraus stammen die Jahreszahlen, die gerade durch die Schlagzeilen geistern:
Ein Punkt zur Einordnung: Der Digital Networks Act ist bislang nur ein Entwurf und steckt noch im europäischen Gesetzgebungsverfahren, in dem sich vieles ändern kann. Die genannten Daten sind also Zielmarken, keine in Stein gemeißelten Abschalttermine.
Was bedeutet das konkret für Dich?
Wenn Du heute noch über DSL surfst, musst Du nicht in Panik verfallen und sofort den Anbieter wechseln. Bis es in Deiner Region ernst wird, vergehen nach den aktuellen Plänen noch Jahre, und Du wirst rechtzeitig und mehrfach informiert, bevor sich etwas ändert. Du gewinnst aber nichts, wenn Du wartest: Sobald an Deiner Adresse Glasfaser verfügbar ist, kannst Du ohne Zeitdruck umsteigen und hast die schnellere, stabilere Leitung schon, lange bevor das alte Kupfernetz überhaupt zur Debatte steht.
Das sagt die Telekom zur DSL-Abschaltung
„Bis jeder Haushalt Glasfaser nutzen kann, ist es noch ein weiter Weg. Wir sind dementsprechend noch weit entfernt von einer möglichen DSL-Abschaltung, sowohl regional als auch bundesweit. Und selbst in Gebieten, in denen es bereits Glasfaser gibt, wird es auch weiter eine DSL-Versorgung geben, solange Verbraucher darauf nicht verzichten wollen. Insofern halten wir es auch für fahrlässig, Kunden schon heute mit angeblichen Abschaltplänen unter Druck zu setzen.“
Sandra Rohrbach: Wann die DSL-Abschaltung kommt – Der Verbraucher wird entscheiden
Welche Technologien ersetzen DSL?
Was passiert mit Deinem Vertrag und der alten Leitung?
Für viele ist das eine der wichtigsten Fragen zur Kupferabschaltung: Was passiert eigentlich mit meinem bestehenden Vertrag und dem bisherigen Anschluss?
Nein. Dein Vertrag läuft nach der DSL-Abschaltung nicht automatisch weiter. Du musst selbst einen neuen (Glasfaser-)Vertrag abschließen – entweder bei Deinem bisherigen oder einem neuen Anbieter, der an Deiner Adresse auch Glasfaser anbietet.
Normalerweise nicht. Häufig wird der bestehende Vertrag auf einen neuen Anschluss umgestellt oder durch einen neuen Vertrag ersetzt. Wie genau das abläuft, hängt vom jeweiligen Anbieter ab. Du solltest die Schreiben Deines Anbieters daher genau prüfen.
Die Kupferleitung bleibt meist zunächst physisch im Gebäude liegen, wird aber nicht mehr für Telekommunikationsdienste genutzt. Die Betreiber schalten die Technik in den Vermittlungsstellen und Straßenverteilern nach und nach ab. Die Leitung wird dadurch praktisch stillgelegt.
In vielen Fällen ja. Für einen Glasfaseranschluss wird beispielsweise ein Glasfasermodem oder ein neuer Router benötigt. Oft stellen die Anbieter die erforderliche Hardware im Rahmen der Umstellung bereit oder bieten passende Geräte an.
Das hängt vom Angebot des Anbieters ab. Der Wechsel auf Glasfaser wird häufig zu besonderen Konditionen angeboten. Kosten können beispielsweise für Hausanschlüsse, Installationsarbeiten oder neue Hardware entstehen, je nach Ausbaugebiet und Vertrag.
Ländliche Regionen ohne Glasfaser
Die Abschaltung von DSL in Deutschland hängt stark vom Glasfaserausbau ab und stellt ländliche Regionen vor besondere Herausforderungen. Grundsätzlich gilt, dass Kupfernetze nur dann stillgelegt werden dürfen, wenn eine leistungsfähige Alternative vorhanden ist. Konkret setzt der Regulator eine hohe Glasfaserabdeckung voraus, etwa 80 % der Haushalte in einem Gebiet.
Da der Glasfaserausbau im ländlichen Raum langsamer voranschreitet, bleibt DSL dort vorerst unverzichtbar. Während in Städten erste Abschaltungen bereits mit fortgeschrittenem Ausbau möglich sind, wird sich der Übergang in weniger dicht besiedelten Regionen deutlich verzögern.
Damit fungiert DSL vor allem außerhalb urbaner Zentren weiterhin als Brückentechnologie. Eine Abschaltung ohne Ersatz ist regulatorisch ausgeschlossen – je geringer die Glasfaserabdeckung, desto länger bleibt DSL bestehen.
Dein Recht auf einen Anschluss
In Deutschland gibt es ein gesetzlich verbrieftes Recht auf einen Internetzugang, und die Kupferabschaltung selbst ist zusätzlich mit einem Schutzmechanismus abgesichert. Aber dieses Recht ist eine Grundsicherung, kein Versprechen auf einen blitzschnellen Glasfaseranschluss. Schauen wir uns beide Seiten an.
Das Recht auf Versorgung
Seit Mitte 2022 hast Du einen individuellen Anspruch auf eine Mindestversorgung mit Internet. Geregelt ist das in der Telekommunikationsmindestversorgungs-Verordnung (TKMV), die seit dem 1. Juni 2022 gilt. Der Gedanke dahinter ist, dass jeder Mensch ans Netz kommen soll, egal ob in der Großstadt oder auf dem Dorf.
Die Verordnung sieht konkrete Mindestwerte vor, die Dein Anschluss erreichen muss. Aktuell sind das mindestens 15 Megabit pro Sekunde im Download, mindestens 5 Megabit pro Sekunde im Upload und eine Latenz von höchstens 150 Millisekunden. Diese Werte werden jährlich überprüft und an die Entwicklung der Versorgungslage angepasst, dürften also mit der Zeit weiter steigen.
Bei der Kupferabschaltung gilt: erst Ersatz, dann Aus
Speziell für die Umstellung von Kupfer auf Glasfaser gibt es eine zusätzliche Absicherung, damit Dir nicht einfach die Leitung gekappt wird. Die Bundesnetzagentur betont, dass das Kupfernetz erst abgeschaltet wird, wenn für alle betroffenen Haushalte eine gleichwertige Glasfaseralternative verfügbar ist. Eine gebietsweise Abschaltung ist überhaupt nur dann vorgesehen, wenn alle Haushalte im Gebiet die Möglichkeit haben, sich an ein Glasfasernetz anschließen zu lassen. Die Abschaltung soll also kein Loch hinterlassen, sondern den alten Anschluss durch einen besseren ersetzen.
Häufig gestellte Fragen zur Kupferabschaltung
Eine gesetzliche Pflicht, Glasfaser zu nehmen, gibt es nicht. Faktisch entsteht aber Druck, weil die DSL-Leitung in Zukunft abgeschaltet wird – das ist aber noch lange hin.
Als Ersatz, wo keine Leitung liegt, ist 5G ein Option. Vor allem in ländlichen Regionen mit schleppendem Ausbau ist 5G praktikabel. Wo Glasfaser verfügbar ist, ist sie aber die bessere Wahl.
Der Hausanschluss ist während der Ausbauphase teilweise kostenlos; nachträgliche Anschlüsse können zwischen 1.000 und 3.000 Euro oder mehr kosten. Dies ist abhängig von den baulichen Gegebenheiten. Die Tarife selbst liegen inzwischen auf DSL-Niveau. Genaue Preise hängen von Anbieter und Adresse ab.
Die wird bei der Umstellung mitgenommen. Dein Telefon läuft danach über den Router statt über die alte Telefondose.
Keine Kommentare vorhanden