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Mega-Deal: o2 übernimmt E-Plus – Wichtige Informationen

Mega-Deal auf dem deutschen Mobilfunkmarkt: 8,6 Milliarden Euro ist die Fusion wert, die die spanische o2-Mutter Telefónica Deutschland mit der Übernahme von E-Plus nun anstreben darf. Das hat die EU-Kommission nach intensiver Prüfung nun genehmigt. Allerdings hat die Kommission o2 einige Auflagen dafür erteilt.

Die wichtigste Bedingung: Telefónica Deutschland, Betreiber von o2, muss 30 Prozent seiner Netzkapazitäten verkaufen. Damit will die EU-Kommission sicherstellen, dass die Konkurrenz im Land wettbewerbsfähig bleibt. Denn mit der Fusion der beiden Konzerne entsteht der größte Mobilfunkanbieter Deutschlands, der bei vollumfänglicher Netzkapazität die Wettbewerber regelrecht zu ersticken gedroht hätte. Um „grünes Licht“ für die Übernahme aus Brüssel zu bekommen, hatte o2 zuvor bereits mit dem Konkurrenten Drillisch vereinbart, diesem 20 Prozent der Kapazitäten abtreten zu wollen. Die Kommission insistierte nun jedoch, dass weitere zehn Prozent dazukommen sollen. Auch dieser Anteil könnte womöglich Drillisch zugesprochen werden.

Brüssel erhofft sich mehr Wettbewerb und neue Netzbetreiber

Auch, wenn es zunächst etwas unlogisch klingt, so erhofft sich die Kommission durch den Zusammenschluss langfristig mehr Wettbewerb und auch neue Konkurrenz auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Schließlich ist die Intention der Auflagen an Telefónica Deutschland, dass in absehbarer Zeit dann wieder ein vierter Netzbetreiber den Eintritt in den Markt wagt. Nach der Fusion sind es nämlich nur noch drei: o2/E-Plus (der neue Name steht noch nicht fest), Vodafone und T-Mobile.

 

Für die Übernahme muss o2 nicht einfach nur 30 Prozent seiner Netzkapazitäten abtreten, wie die EU-Kommission erklärte. Denn auch Frequenzspektren muss der neue Riesenkonzern verkaufen. Damit will Brüssel erreichen, dass ein möglicher neuer Wettbewerber diese Frequenzen ersteigern kann, um ein eigenes Mobilfunknetz einzurichten. Telefónica hat bereits signalisiert, dass man Pakete in den Bereichen von 2,1 sowie 2,6 GHz an etwaige Interessenten veräußern wolle. Wer diese Frequenzen erwirbt, kann gleichzeitig die Funkstandorte von o2 sowie nationales Roaming mitbenutzen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia sagte dazu: „Verbraucher werden weiterhin in den Genuss der Vorteile eines wettbewerbsorientierten Markts kommen.“ Eine weitere Bedingung für die Fusion war für Telefónica, dass das Unternehmen darüber hinaus auch Vermögenswerte veräußern muss; Details hierzu sind noch nicht bekannt.

Die Übernahme zieht weitere Veränderungen nach sich

8,6 Milliarden Euro soll der Zusammenschluss alles in allem schwer sein, und neben den bereits aufgezählten Bedingungen muss o2 weitere Einschränkungen hinnehmen, die den deutschen Mobilfunkmarkt womöglich gehörig verändern. So ist Telefónica beispielsweise verpflichtet, allen Konkurrenten, die potenziell interessiert sind, Zugang zum LTE-Netz einzuräumen. Das bedeutet, dass zukünftig Kunden von T-Mobile oder Vodafone den LTE-Zugang über o2 erhalten könnten – wenn die Konkurrenten sich dazu entschließen sollten, LTE von o2 nutzen zu wollen. Dadurch kommt jede Menge Bewegung in den gesamten LTE-Markt, da die beiden Konzerne nun nicht mehr unbedingt gezwungen sind, ein eigenes LTE-Netz zu unterhalten. Zugleich hat sich o2 verpflichten müssen, seine Großkundenverträge weiterzuführen. So sollen die Verträge mit Providern vorzeitig bis 2025 verlängert werden. Völlig unklar ist indes, wie schon angedeutet, welchen Namen der fusionierte Konzern erhalten soll. Dafür ist inzwischen durchgesickert, dass der derzeitige E-Plus-Chef Thorsten Dirks das Unternehmen leiten soll.

 

Ob die Bedingungen, die die EU-Kommission für die Übernahme gestellt hat, allerdings die richtigen Mittel zum Zweck sind, nämlich mehr Wettbewerb herzustellen und endlich Unternehmen zu ermuntern, die Netze auszubauen, darf zumindest bezweifelt werden. Gerade weil o2 ein knappes Drittel seiner Netzkapazität an die Konkurrenz verscherbeln muss, entsteht ein falscher Fingerzeig – werden dadurch doch genau jene Konzerne gefördert, die gerade nicht in den Ausbau der Netze investieren.

Viele sehen die Fusion kritischer als die EU-Kommission

Ist die Stärkung des Wettbewerbs auf dem deutschen Mobilfunkmarkt für die Brüsseler Kommission schon ausgemachte Sache, so melden sich jedoch durchaus auch kritische Stimmen zu Wort. So sieht die deutsche Monopolkommission durch den Vorgang in erster Linie den Wettbewerb geschwächt. Immerhin sei ein Unternehmen damit vom Markt verschwunden, die drei verbleibenden hätten annähernd gleich große Marktanteile, was den Konkurrenzkampf bei den Preisen abschwächen würde. „Auch von den Unternehmen, die nun als Vertragspartner von o2 Netzkapazitäten erwerben können, wird auf die Dauer nur eine begrenzte Wettbewerbswirkung ausgehen, da sie immer auf die Nutzung eines fremden Netzes angewiesen sind”, sagte der Vorsitzende der Monopolkommission, Daniel Zimmer.

 

Auch der Bundesverband der Verbraucherzentralen und die direkte Konkurrenz von o2 und E-Plus sehen die Übernahme deutlich kritischer als die EU-Kommission. Die Verbraucherschützer befürchten, dass die Discountmarken, die E-Plus und o2 unterhalten, nach der Fusion einfach vom Markt verschwinden könnten. Das würde in erster Linie steigende Preise nach sich ziehen, urteilt der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Telekom-Vorstand Niek Jan van Damme sagte, dass die Fusion zuvorderst bedeute, dass die Verteilung der Frequenzen zu einem kräftigen Ungleichgewicht auf dem Markt führen dürfte. Auch sieht van Damme die Gefahr, dass die Auflagen gerade jene Anbieter stärke, die ohne eigene Netzinfrastruktur agierten – das sei „das völlig falsche Signal“.

Fazit

Der Deal zwischen o2 und E-Plus birgt gewaltige Potenziale, sowohl in positiver wie auch in negativer Hinsicht. Wenn die EU-Kommission Recht behält und der freie Platz auf dem Markt demnächst besetzt wird, entstehen für den Wettbewerb und damit für uns Kunden Vorteile. Allerdings ist auch das Risiko, dass die Fusion dazu führt, dass der Ausbau der Infrastrukturen im Mobilfunknetz nun schleppender verlaufen könnte, ebenfalls nicht zu unterschätzen.

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