Roaming außerhalb der EU in aller Kürze
IM ÜBERBLICK
Roaming: Kurz erklärt
Du landest in New York, schaltest Dein Handy ein. Du hast sofort Netz. Deine deutsche SIM-Karte hat sich in ein fremdes Mobilfunknetz eingebucht. Genau das ist Roaming: die Nutzung eines ausländischen Handynetzes über Deinem heimischen Tarif.
Roaming? Deine Alarmglocken schrillen zu Recht. Das Surfen und Telefonieren aus einem ausländischen Netz ist mit zusätzlichen Gebühren verbunden. Ausnahme: In der Europäischen Union (EU) fallen keine Roaminggebühren an. Dank der sogenannten „Roam Like at Home“-Regelung (RLAH) telefonierst und surfst Du in allen 27 EU-Mitgliedstaaten sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen, Ukraine und in der Republik Moldau zu denselben Konditionen wie zuhause.
Außerhalb der EU gilt das kostenlose Roaming nicht: In den USA, der Türkei, Japan oder Thailand entstehen Kosten fürs Roaming. Und die können sich je nach Anbieter, Zielland und Tarifzone erheblich unterscheiden. Wo das EU-Roaming nicht gilt, riskierst Du also eine unangenehm hohe Handyrechnung, wenn Du einfach drauf los surfst.
Achtung: Mobilfunkanbieter sind nicht verpflichtet, Roaming anzubieten. Manche Tarife schließen Roaming – oder einzelne Dienste wie mobiles Internet – ausdrücklich aus. Die entsprechenden Informationen zum Roaming findest Du in den Vertragsunterlagen. Du kannst sie natürlich auch einfach bei Deinem Anbieter erfragen.
Weltweites Roaming: Das kostet das Surfen in fernen Ländern
Innerhalb der EU bist Du fein raus aus der Kostenfalle Roaming. Anders sieht es aus, wenn es Dich auf Deinen Reisen in andere – mehr oder weniger ferne – Länder verschlägt.
Die meisten Anbieter teilen die Welt dafür in verschiedene Preiszonen ein. Typische Bezeichnungen sind „Europa 1″, „Europa 2″, „Welt 1″ und „Welt 2″. Der Trend bei der Einteilung geht schlicht in mehrere Welt-Zonen. Wundere Dich also nicht, falls Dein Provider auf europäische Zonen verzichtet. Die Länder des EU-Roamings versammeln sich dann meist in der ersten Weltzone.
Aber egal, wie die Bezeichnungen lauten und wie viele Stufen Dein Mobilfunkanbieter verwendet, ist das Prinzip immer dasselbe. Je weiter weg und je weniger erschlossen das Roaming-Netz ist, in das sich Deine deutsche SIM-Karte einbucht, desto teurer wird es. Albanien landet bei vielen Anbietern in einer günstigeren Europa-Zone, während Thailand oder die USA in einer teureren Weltzone liegen. Die Preise für die Gesprächsminute und das Gigabyte zum Surfen sind spürbar höher.
Bevor Du das Internet im Ausland nutzt, empfiehlt es sich, bei Deinem Mobilfunkanbieter nach den genauen Roaming-Gebühren für Dein Reiseziel zu fragen. Viele Anbieter haben zudem tage- oder wochenweise zubuchbare Auslandspakete im Programm. Die Pakete sind in der Regel deutlich günstiger als die minutengenaue Standardabrechnung.
Für einen ersten Überblick zeigt unsere Tabelle beispielhaft die Roaming-Gebühren einiger Anbieter:
| Reiseziel | Telekom | o2 | klarmobil |
|---|---|---|---|
| Türkei | Ausgehende Anrufe: 0,29 €/min Eingehende Anrufe: 0,29 €/min Daten: 5,95 €/2 GB (Datenpass) | Abgehend: 1,49 €/Min. Eingehend: 0,69 €/Min. Daten: 0,99€/MB) | Abgehend: 1,63 €/Min. Eingehend: 0,71 €/Min. Daten: 0,49€/50 KB |
| USA | Ausgehende Anrufe: 1,49 €/min Eingehende Anrufe: 0,29 €/min Daten: 5,95 €/2 GB /Datenpass) | Abgehend: 1,49 €/Min. Eingehend: 0,69 €/Min. Daten: 0,99€/MB | Abgehend: 1,63 €/Min. Eingehend: 0,71 €/Min. Daten: 0,49€/50KB |
| Thailand | Ausgehende Anrufe: 0,29 €/min Eingehende Anrufe: 0,29 €/min Daten: 5,95 €/2 GB (Datenpass) | Abgehend: 2,49 €/Min. Eingehend: 1,59 €/Min. Daten: 1,49€/MB) | Abgehend: 2,99 €/Min. Eingehend: 1,53 €/Min. Daten: 0,99€/50KB |
Hinweis: Die dargestellten Preise sind ohne Gewähr. Die Roaminggebühren können je nach Tarif variieren.
Schweiz & Türkei: Beliebte Reiseziele mit Sonderstatus
Die Schweiz und die Türkei sind beliebte Reiseziele der Deutschen. Und beide Länder haben beim Roaming einen Sonderstatus. Die Schweiz liegt zwar im Herzen Europas, mischt aber wieder in der Europäischen Union noch beim Europäischen Wirtschaftsraum mit. Die Türkei möchte gern bei der EU mitmachen, darf es aber noch nicht. So greift die Regelung zum kostenlosen EU-Roaming weder in der Schweiz noch in der Türkei. Wer unvorbereitet anreist, zahlt Roaming-Gebühren wie in jedem anderen Lande außerhalb de3r EU.
Manche Mobilfunkanbieter sind an der Stelle großzügig und beziehen die Schweiz und/oder die Türkei ins kostenlose EU-Roaming ein. Andere Anbieter wiederum bieten zumindest günstige Sonderkonditionen für diese Länder an. Ein Blick ins Kleingedruckte vor Vertragsabschluss kann sich daher lohnen, wenn Du des Öfteren in die Schweiz oder die Türkei reist.
Achtung: Auch wenn ein Anbieter die Schweiz oder die Türkei ins EU-Roaming einbezieht, kanner das kostenlose Roaming in diesen Ländern stärker beschränken, als es die EU-Regelung vorsieht. Beispielsweise kann der Provider eine Limit fürs kostenlose Datenvolumen setzen.
Und noch ein Sonderfall: Roaming in Großbritannien
Der Brexit hat den Urlaub auf der Insel komplizierter gemacht. Mit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union am 31. Januar 2020 hat das EU-Roaming seine Gültigkeit im Vereinigten Königreich verloren. Wer also mit seinem deutschen Mobilfunkvertrag nach London, Edinburgh oder Manchester reist, ist beim Roaming in UK nicht automatisch auf der sicheren Seite.
Hinweis: In manchen Tarifen gilt das kostenlose EU-Roaming weiterhin auch für Großbritannien. Am besten prüfst Du Deine Vertragsunterlagen daraufhin, um gegebenenfalls rechtzeitig ein Roaming-Paket für UK buchen zu können.
Die weltweite Kostenbremse
Die EU hat beim Thema Roaming einen Schritt weitergedacht und für ihre Bürger eine weltweite Kostenbremse in der Roaming-Verordnung verankert: den sogenannten Kostenairbag. Er gilt nicht nur in den europäischen Staaten, sondern weltweit.
Der Kostenairbag greift beim mobilen Daten-Roaming und liegt standardmäßig bei 59,50 Euro netto. Ist diese Grenze erreicht, wird die Datenverbindung automatisch gesperrt. Dein Anbieter muss Dich außerdem informieren, bevor Du diese Kosten erreichst. Die Info kommt in der Regel per SMS. Seit Juli 2022 gilt der Kostenairbag übrigens nicht nur für herkömmliche Mobilfunknetze, sondern auch für Satellitenverbindungen an Bord von Schiffen und Flugzeugen.
Achtung: Die Kostenbremse funktioniert nur dann zuverlässig, wenn der ausländische Netzbetreiber Dein Nutzungsverhalten in Echtzeit erfassen und übermitteln kann. Ist das nicht möglich, kann der Schutzmechanismus nicht greifen. In diesem Fall wirst Du bei der Einreise per SMS darüber informiert, dass die Kostenbegrenzung nicht zur Verfügung steht.
Wichtig zu wissen: Der Kostenairbag schützt nur beim Daten-Roaming – nicht bei Telefonaten oder SMS.
Das muss Dein Anbieter Dir bei der Einreise mitteilen
Sobald Du in ein anderes Land einreist und Dein Handy sich in ein fremdes Netz einbucht, ist Dein Mobilfunkanbieter gesetzlich verpflichtet, Dir per SMS wichtige Informationen mit auf den Weg zu geben. Das schreibt die EU-Roaming-Verordnung vor. Folgendes musst Du erhalten:
Vorsicht vor der Kostenfalle Mailbox
Ein Kostenfaktor, der auf Reisen außerhalb der EU leicht übersehen wird, ist die Mailbox. Ausschlaggebend ist die Art, wie Anrufe auf Deiner Mailbox landen.
Wird ein Anruf automatisch an Deine Mailbox weitergeleitet, also ohne dass Dein Handy überhaupt klingelt, entstehen in der Regel keine zusätzlichen Kosten. In dem Fall hast Du eine generelle Anrufweiterleitung aktiviert: Alle Anrufe gehen an die Mailbox, keiner erreicht Dich direkt.
Anders sieht es bei der bedingten Anrufweiterleitung aus: Klingelt Dein Handy zunächst und wird der Anruf erst dann an die Mailbox übergeben, rechnen Anbieter das als zwei separate Verbindungen ab: Die im Reiseland ankommende Verbindung und die Weiterleitung zur Mailbox als abgehenden Anruf nach Deutschland. Hörst Du die Nachrichten anschließend ab, kommen weitere Kosten hinzu, da das Abhören wie ein abgehender Anruf nach Hause berechnet wird.
Achtung: Am sichersten fährst Du, wenn Du die Mailbox vor der Abreise komplett deaktivierst. Wie das geht, erfährst Du im Hilfe-Center Deines Anbieters, in seiner App oder bei der Kundenhotline.
Roaming auf Schiffen und im Flugzeug: Ein teurer Spaß
An Land bucht sich Dein Handy ins nächste Mobilfunknetz ein. An Bord eines Kreuzfahrtschiffs oder Flugzeugs funktioniert das anders. Dort gibt es kein terrestrisches Mobilfunknetz. Stattdessen läuft die Verbindung über ein satellitengestütztes Bordnetz. Das hat noch mal einen ganz anderen Preis.
Denn für Satellitenverbindungen gelten weder die EU-Roaming-Regelungen noch die normalen Auslandstarife. Die Kosten können je nach Anbieter erheblich höher ausfallen als gewöhnliches Roaming. Die Kosten können entstehen, wenn Du Dich auf einem europäischen Gewässer oder auf einer Flugbahn über Europa befindest. Schon ein paar automatisch synchronisierte Apps oder ein kurzes Video können so eine saftige Rechnung verursachen.
Besonders tückisch ist die Situation in Häfen und auf Flughäfen. Dort kann sich Dein Handy unbemerkt ins Bordnetz einbuchen, obwohl Du noch gar nicht abgelegt oder abgehoben hast.
Die beste Lösung: Aktiviere rechtzeitig den Flugmodus oder schalte das Daten-Roaming aus. An Bord kannst Du ausschließlich das WLAN des Schiffs oder Flugzeugs nutzen. Das ist meist kostenpflichtig sein. Darüber müssen Dich Reederei oder Fluggesellschaft vor der Einwahl ins Bord-WLAN informieren.
Daten-Roaming deaktivieren: Eine Schnellanleitung
Android: Daten-Roaming deaktivieren
iPhone: Daten-Roaming deaktivieren
Die Alternative zum Roaming-Paket: die Reise-eSIM
Wer außerhalb der EU günstiger surfen möchte, als es das Roaming-Paket des eigenen Anbieters erlaubt, sollte einen Blick auf die Reise-eSIM werfen. Eine eSIM ist eine fest im Smartphone verbaute, digitale SIM-Karte. Statt eine physische SIM-Karte zu wechseln, lässt sich per QR-Code oder App ein neues Tarifprofil direkt aufs Handy laden. Das kannst Du bequem vor der Abreise erledigen.
Das Prinzip ist einfach: Du buchst bei einem eSIM-Anbieter für Auslandstarife ein ein lokales Datenpaket für Dein Reiseziel, scannst den zugesandten QR-Code, und die eSIM ist einsatzbereit. Da die meisten modernen Smartphones zwei aktive SIM-Profile gleichzeitig unterstützen, kannst Du die Reise-eSIM für mobile Daten nutzen und bleibst trotzdem unter Deiner gewohnten deutschen Nummer erreichbar.
Bekannte Anbieter für Reise-eSIMs sind zum Beispiel Airalo, Holafly oder Saily – alle buchbar über deren Website oder App. Auch der deutsche Anbieter freenet bietet mit „freenet Travel“ eine eSIM-Lösung für Reiselustige an.
Wann lohnt sich die Reise-eSIM besonders? Vor allem bei längeren Aufenthalten außerhalb der EU, bei Fernreisen in teure Roaming-Zonen oder wenn Du viel Datenvolumen benötigst.
Pro & Contra der Reise-eSIM auf einen Blick
Unbeschwert in den Urlaub: Unsere Roaming-Tipps
Häufige Fragen zum Internationalen Roaming
Folgende Punkte solltest Du beachten, um ungewollte Roaminggebühren zu vermeiden:
Ja, allerdings nur für mobile Daten. Die EU-Roaming-Verordnung schreibt einen weltweiten Kostenairbag vor: Bei 59,50 Euro (50 Euro netto zzgl. Mehrwertsteuer) wird die Datenverbindung automatisch gesperrt. Du darfst weiter surfen, wenn Du den zusätzlichen Gebühren ausdrücklich zustimmst. Für Telefonate und SMS gibt es keine vergleichbare gesetzliche Obergrenze. Außerdem greift der Airbag nur, wenn der ausländische Netzbetreiber Dein Nutzungsverhalten in Echtzeit erfassen und übermitteln kann. Das ist nicht überall gewährleistet ist.
Am wichtigsten: Informiere Dich vor der Reise. Frage Deinen Anbieter nach Roaming-Paketen für Dein Reiseziel. Tages- oder Wochenpakete sind fast immer günstiger als die Standardabrechnung. Alternativ lohnt sich eine Reise-eSIM, die im Nicht-EU-Ausland oft deutlich günstiger ist. Deaktiviere im Zweifel mobile Daten komplett und nutze WLAN. Schalte außerdem die Mailbox vor der Abreise ab.
Innerhalb der EU regelt eine Verordnung, was Netzbetreiber einander für die Netznutzung in Rechnung stellen dürfen. Außerhalb der EU gibt es keine solche Regulierung. Ausländische Netzbetreiber können für die Nutzung ihres Netzes frei kalkulierte Gebühren verlangen. Dein deutscher Anbieter gibt diese Kosten an Dich weiter.
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