Peering in aller Kürze
IM ÜBERBLICK
Was ist Peering?
Peering ist eine direkte Verbindung zwischen zwei Netzwerken, über die sie ihren Datenverkehr unmittelbar austauschen, ohne den Umweg über einen kostenpflichtigen Zwischenanbieter zu nehmen.
Normalerweise kauft ein Netzbetreiber sogenannten Transit ein. Er bezahlt also einen größeren Anbieter dafür, seinen Datenverkehr ins gesamte Internet weiterzuleiten. Beim Peering verbinden sich zwei Netze direkt miteinander und tauschen den Verkehr, der zwischen ihnen fließt, ohne diesen Umweg aus. In vielen Fällen berechnen sich beide Seiten dafür nichts, weil beide etwas davon haben. Fachleute nennen das kostenneutrales oder „settlement-free“ Peering.
Peering anders erklärt
Weil Peering ein recht abstraktes Thema ist, hilft ein Bild aus dem Alltag. Stell Dir das Internet als eine große Landschaft aus vielen Städten vor. Jede Stadt ist ein eigenes Netzwerk, etwa das eines Internetanbieters oder eines großen Dienstes wie einer Streaming-Plattform. Und wie zwischen echten Städten braucht es auch hier Straßen, damit die Daten von A nach B kommen.
Normalerweise schickt eine Stadt ihre Daten über eine große Fernautobahn, die einem Transitanbieter gehört. Für die Nutzung dieser Autobahn zahlt sie Maut. Beim Peering bauen zwei benachbarte Städte stattdessen eine eigene, direkte Straße zwischen sich. Die Daten fahren kürzer, kommen schneller an, und für diese direkte Straße fällt in vielen Fällen gar keine Maut an.
Wie funktioniert Peering?
Peering funktioniert, indem zwei Netzwerke eine physische Verbindung herstellen und sich anschließend über das Border Gateway Protocol (BGP) gegenseitig mitteilen, welche Adressen sie erreichbar machen.
Der Ablauf lässt sich in drei einfachen Schritten denken:
- Physische Grundlage schaffen: Zuerst braucht es die eigentliche Leitung. Das kann ein direktes Kabel zwischen zwei Netzen sein oder ein Anschluss an einen gemeinsamen Austauschpunkt.
- BGP-Verbindung einrichten: Danach kündigen beide Seiten einander an, welche Adressbereiche sie bedienen.
- Datenverkehr fließt: Zum Schluss läuft der Verkehr über die neue Direktverbindung, und das BGP sorgt laufend dafür, dass jedes Datenpaket den passenden Weg nimmt.
Warum ist Peering wichtig?
Schnellere Verbindungen
Höhere Ausfallsicherheit
Kostenersparnis
Direkte Peering-Verbindungen verkürzen den Weg, den Deine Daten zurücklegen müssen. In Europa können Reaktionszeiten zwischen großen Städten auf unter 10 Millisekunden sinken. Das ist besonders wichtig für Online-Gaming, Börsenhandel oder Telefonie übers Internet.
Mehrere Peering-Verbindungen verteilen Deinen Datenverkehr auf verschiedene Wege. Fällt ein Anbieter aus, übernimmt automatisch ein anderer. Diese Absicherung ist ein wichtiger Baustein moderner Netzwerke.
Daten, die über Peering laufen, verursachen keine Transit-Gebühren. Bei Netzwerken mit hohem Datenvolumen rechnet sich die Investition oft schon nach wenigen Monaten.
Öffentliches vs. privates Peering: Die Vor- & Nachteile
Beide sind Wege, auf denen zwei Netzwerke ihren Verkehr direkt austauschen. Der Unterschied liegt darin, ob das über einen gemeinsamen Austauschpunkt läuft oder über eine eigene Leitung.
Öffentliches Peering (am Internet Exchange Point)
Öffentliches Peering findet an einem gemeinsamen Austauschpunkt statt, einem Internet Exchange Point (IXP). In unserem Bild ist das ein großer, zentraler Marktplatz, eine neutrale Infrastruktur, an die sich Internetanbieter und große Dienste wie Streaming-Plattformen anschließen. Statt zu jedem anderen Netz eine eigene Leitung zu bauen, legt jedes Netzwerk nur eine Straße zum Marktplatz und kommt dort mit allen anderen ins Geschäft. Das spart enorm viel Aufwand, denn zehn Netze, die alle direkt verbunden sein wollen, bräuchten sonst schon 45 einzelne Leitungen.

Privates Peering (Private Network Interconnect)
Privates Peering ist eine direkte, fest zugeordnete Leitung zwischen genau zwei Netzwerken, ohne den Umweg über einen gemeinsamen Austauschpunkt. Bildlich gesprochen bedeutet das, wenn zwei Städte permanent riesige Warenmengen tauschen, wird der gemeinsame Marktplatz irgendwann zu voll. Dann lohnt sich eine eigene Standleitung nur für diese beiden.
Internet Exchange Point in Deutschland
Der bekannteste Vertreter in Deutschland ist der DE-CIX in Frankfurt. Er wickelt einen großen Teil des deutschen Peering-Verkehrs ab und verbindet fast 1.100 Netzwerke aus mehr als 100 Ländern. Über einen einzigen Anschluss dort sind mehr als 80 Prozent der weltweiten Autonomen Systeme erreichbar. Wie stark solche Knoten ausgelastet sind, zeigt der Spitzenwert am DE-CIX Frankfurt von über 18 Terabit pro Sekunde (Stand Ende 2024), was ungefähr 10 Millionen gleichzeitig gestreamten Kurzvideos entspricht.
Welche Probleme können beim Peering auftreten?
Beim Peering entstehen Probleme meist nicht durch die Technik selbst, sondern durch die Rahmenbedingungen einer Verbindung. Am häufigsten sind diese drei Ursachen:
Peering bei der Telekom
Die Deutsche Telekom betreibt mit ihrem Netz AS3320 eines der größten Endkunden-Netze Europas und verfolgt beim Peering eine vergleichsweise zurückhaltende Linie. Statt sich mit möglichst vielen Partnern kostenneutral zu verbinden, verlangt sie von großen Content- und Videoanbietern in bestimmten Fällen eine kostenpflichtige Direktanbindung. Die Telekom begründet das mit den enormen Datenmengen, die solche Anbieter in ihr Netz schicken. Kritiker sehen darin dagegen eine zu starke Marktposition und verweisen auf die Netzneutralität. In der Vergangenheit führte das zu Auseinandersetzungen und zu Beschwerden bei der Bundesnetzagentur.
Für Dich als Kunde spielt das im Alltag meist keine spürbare Rolle, weil die Telekom mit den großen Plattformen entsprechende Verbindungen unterhält. Relevant wird es vor allem dann, wenn ein ganz bestimmter Dienst bei Dir wiederholt nur zu Stoßzeiten hakt, während der Rest normal läuft. Das ist kein reines Telekom-Phänomen, sondern kommt bei großen Endkunden-Netzen weltweit vor.
Häufig gestellte Fragen zu Peering
Peering verkürzt den Weg Deiner Daten, weil sie weniger Zwischenstationen passieren. Solche Stationen heißen ‚Hops‘ und kosten jeweils etwas Zeit. Über einen Transitanbieter sind es schnell zehn bis fünfzehn, über einen Austauschpunkt oft nur zwei bis drei. Am stärksten wirkt das, wenn Dein Anbieter mit dem genutzten Dienst regional direkt verbunden ist.
Beim Transit bezahlt ein Netzwerk einen größeren Anbieter dafür, seinen Verkehr ins gesamte Internet weiterzuleiten. Beim Peering verbinden sich zwei Netze direkt und tauschen ihren Verkehr untereinander aus, oft ohne dass sich beide Seiten etwas berechnen. Peering ersetzt Transit nicht komplett, sondern nimmt ihm einen Teil des Verkehrs ab und macht Wege kürzer und günstiger.
Ja. Für Peering zahlst Du als Kunde nichts extra. Die Verbindungen werden zwischen den Netzbetreibern vereinbart und laufen im Hintergrund. Du bezahlst nur Deinen normalen Internettarif. Vom Peering profitierst Du trotzdem, weil es Deine Verbindung schneller und stabiler macht.
Gutes Peering fällt vor allem dadurch auf, dass es nicht auffällt. Seiten laden zügig, Videos starten ohne langes Puffern und beim Online-Zocken bleibt der Ping niedrig und gleichmäßig, auch abends zu Stoßzeiten. Wenn dagegen nur einzelne Dienste regelmäßig zu bestimmten Uhrzeiten hakeln, während der Rest flott läuft, kann eine überlastete Peering-Strecke die Ursache sein.
Ein Internetknoten wie der DE-CIX in Frankfurt ist der Ort, an dem Dein Anbieter sich mit vielen anderen Netzen kurzschließt. Je besser Dein Anbieter dort angebunden ist, desto direkter erreichen Dich Inhalte aus dem Netz. Du selbst hast keinen Anschluss am DE-CIX, profitierst aber indirekt von jeder kurzen Verbindung, die Dein Anbieter dort unterhält.
Direkt steuern kannst Du das Peering nicht, denn diese Vereinbarungen treffen die Netzbetreiber. Beeinflussen kannst Du es nur über Deine Anbieterwahl. Wenn ein bestimmter Dienst für Dich wichtig ist, etwa eine Spieleplattform oder ein Streaming-Angebot, helfen Erfahrungsberichte anderer Nutzer mit demselben Anbieter bei der Einschätzung, wie gut die Verbindung dorthin ist.
Ja, die Deutsche Telekom verfolgt beim Peering eine zurückhaltendere Linie als viele andere Netze und setzt häufiger auf ausgewählte oder kostenpflichtige Verbindungen. Für den Alltag mit den großen, bekannten Diensten merkst Du davon meist nichts. Spürbar wird es am ehesten, wenn ein einzelner Dienst wiederholt nur zu Stoßzeiten langsam ist.
Beim Gaming zählt jede Millisekunde. Peering senkt die Latenz, also die Reaktionszeit zwischen Deiner Eingabe und der Antwort des Servers, weil Deine Daten über kürzere, direktere Wege laufen. Genauso wichtig ist der Jitter, also wie stark diese Reaktionszeit schwankt. Kommt ein Datenpaket mal nach 20 und das nächste nach 60 Millisekunden an, ruckelt das Spielgefühl, selbst wenn der durchschnittliche Ping niedrig aussieht. Weil der Verkehr beim Peering über eine kurze, wenig überlastete Direktverbindung läuft, kommen die Pakete regelmäßiger an. Das Ergebnis ist ein ruhigeres, verlässlicheres Spielerlebnis. Videocalls und Streams profitieren aus demselben Grund.
Zu den größten europäischen Internet-Knotenpunkten zählen DE-CIX in Frankfurt, AMS-IX in Amsterdam, LINX in London und France-IX in Paris. DE-CIX Frankfurt gilt gemessen am Datendurchsatz regelmäßig als einer der weltweit größten Knotenpunkte.
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