News Ticker

Foldables: falten, klappen, knicken

Faltbare Smartphones schicken sich, den Handymarkt aufzumischen

Ist es das nächste große Ding auf dem Smartphone-Markt? Die ersten Foldables halten Einzug. Ihre Displays lassen sich zu Tabletformat aufklappen. Die Falt-Handys könnten einen Boom wie die Klapphandys Anfang der 2000er Jahre oder das erste iPhone auslösen – und sie könnten die Tablets gänzlich verdrängen.

Die Foldables sind im Anmarsch: Huawei Mate X, Motorola razr, Samsung Galaxy Fold und Royole FlexPai. Revolutionieren sie den Handymarkt? Die ersten faltbaren Smartphones drängen auf den Markt.

Irgendwann kommt doch alles wieder. Erinnern Sie sich noch an die guten alten Klapphandys? War das ein Hype! Je kleiner desto besser, lautete die Devise der vergangenen Tage. Doch seit dem Triumphzug des Smartphones sind die Geräte immer größer geworden. Nun hat sich ein neuer Trend angekündigt: Die Falt-Handys rücken auf den Markt. Ob sie sich mal so großer Popularität wie das heiß begehrte Motorola Razr V3 oder das Nokia N90 erfreuen werden? Das müssen wir wohl abwarten. Zweifellos ist das faltbare Display die beeindruckendste technische Innovation, seit das erste iPhone den Handy-Markt revolutionierte.

Zunächst einmal geht’s bei der neuen Generation von Klapp-Handys nicht darum, sie so klein wie möglich zu machen. Offensichtliches Bestreben ist, noch größere Displays weiterhin auf Hosentaschenformat zu halten – und möglicherweise das Ende der Tablets einzuläuten. Doch nicht alle Hersteller gehen diesen Weg.

Wie funktionieren die Foldables?

Zunächst einmal ist das faltbare Display der Foldables, wie die neuen faltbaren Smartphones auch genannt werden, gar nicht so neu. Bereits 2011 präsentierten unter anderem Samsung und LG biegsame Panels, wie das Saturn-Magazin Turn-on erinnert. Das faltbare Display war also schon da. In den vergangenen Jahren stellten sich die Ingenieure von Samsung & Co. der Herausforderung, alles andere, das so in einem Smartphone steckt, ebenfalls zu verbiegen. Schließlich müssen auch Akku, Prozessor oder Kamera das Falten und Aufklappen mitmachen. Nach weiteren acht Jahren haben die Hersteller Lösungen für das Problem gefunden. Der erste auf dem Markt war überraschenderweise nicht Samsung, auch nicht Huawei, sondern der weniger bekannte chinesische Hersteller Royole.

Das Display ist nahezu bruchsicher

Das Display der Foldables besteht nicht aus Glas. Die Grundlage der OLED-Displays sind Kunststoffpolymere. Sie sind quasi Folien, die mit einem Film aus organischen Leuchtioden überzogen sind. Die elektrischen Leiterbahnen, die dafürsorgen, dass die einzelnen Subpixel angesteuert werden, sind ebenfalls in die Plastikfolien eingebettet. Warum sich die Handyproduzenten für Kunststoff entschieden haben? Die Antwort liegt auf der Hand: Glas lässt sich nicht verbiegen, ohne zu zerbrechen. Da ist Kunststoff deutlich flexibler.

Auf jeden Fall haben die ersten Hersteller Wege gefunden, das Innenleben eines Smartphones so flexibel zu gestalten, dass das Gerät das Biegen des Displays mitmacht. Das haben Royole, Samsung, Xiaomi und Huawei bereits bewiesen. Weitere Produzenten werden nachlegen. Motorola hat es bereits getan. Das Unternehmen hat im November das Motorola razr präsentiert, das nicht nur dem Namen nach an das Kulthandy der 2000er Jahre Razr V3 erinnert.

Die Knicks der Foldables

Nach außen, nach innen, von oben nach unten: Die Faltweise der biegsam en Smartphones ist sehr unterschiedlich.  Samsung beispielsweise hat sich für die Variante nach innen entschieden. So benötigt das Foldable des koreanischen Herstellers ein zusätzliches Display auf der Außenseite, das nicht nur Infos zu Benachrichtigungen liefert, sondern als vollwertiges, wenngleich inzwischen recht kleines Smartphonedisplay funktioniert. Wie ein Buch lässt sich das Handy aufklappen zu einem 7,3-Zoll-Bildschirm im 4:3-Format. Schwupps, übernimmt es die Anwendungen von kleinen Display aufs große.

Nach außen wiederum lässt sich das Huawei-Modell entfalten. Der ausgeklappte 8-Zoll-Bildschirm schrumpft nach dem Zusammenfalten auf zwei kleine, die wahlweise wie ein gewohntes Smartphonedisplay benutzt werden können.

Wie Huawei handhabt es auch Vorreiter Royole. Das Display wird nach außen zusammengeklappt, sodass das Gerät im Grunde mit einem einzigen Bildschirm auskommt. Gefaltet kann man das Display sowohl auf der Vorder- als auch Rückseite bedienen, aufgeklappt breitet sich ein 7,8-Zoll-Bildschirm im aus.

Der chinesische Hersteller Xiaomi mischt ebenfalls im Falt-Geschäft mit. Er hat sich für einen anderen Faltmechanismus entschieden: Das Foldable von Xiaomi wird zu beiden Seiten links und rechts geklappt, so schaltet das Gerät vom Tablet- in den Smartphone-Modus.

Die Lenovo-Tochter Motorola wiederum beschreitet einen anderen Weg. Das am 13. November 2019 vorgestellte Motorola razr orientiert sich am legendären Razr V3. Das razr entfaltet sein 6,2-Zoll-Display von unten nach oben. Im zusammengeklappten Modus zeigt ein 2,7-Zoll-Display auf der Vorderseite Infos wie Uhrzeit, Datum und Benachrichtigungen an. Es fungiert aber auch als Selfie-Kamera.

Welche Vorteile bringen die Falt-Handys?

  • Der offensichtlichste Vorzug, über den ein Foldable verfügt, steckt im Display. Durch das Falten lässt es sich auf ein angenehmes Tabletformat bringen. Das ermöglicht dem Nutzer, mehrere Anwendungen parallel zu verwenden. Faltet man es zusammen, passen die verschiedenen Modelle mehr oder weniger gut weiterhin in die Hosentasche – oder auch in eine kleine Handtasche. Eine Ausnahme ist das Motorola razr, das sich auf eine durchschnittliche Smartphone-Display-Größe entfaltet. Allerdings passt es im zugeklappten Zustand auch in kleine Hosentaschen.
  • Einen weiteren Pluspunkt sammeln die Foldables ebenfalls dank ihrer Displays aus Polymerverbindungen. Die synthetischen Makromoleküle, die in den Displays verbaut sind, machen die Bildschirme nahezu bruchsicher.
  • Der vergrößerte Bildschirm eines Foldables birgt noch einen weiteren Vorteil: Für die Tastatur ist mehr Platz, das macht das Tippen gewiss deutlich angenehmer. Obwohl ich bezweifle, dass irgend jemand einen Roman am faltbaren Tablet schreiben würde.

Welche Nachteile haben die Falt-Handys?

  • Einen fetten Minuspunkt kassieren die Foldables wiederum aufgrund ihrer Kunststoffdisplays. Sie sind zwar bruchsicher, doch im Gegensatz zum üblicherweise in Smartphones verbauten Gorilla Glass® nicht kratzfest. Auch scheut die erste Generation wohl noch Wasser. Sie sind gerade mit einem nach außen gefalteten Display schutzbedürftiger als herkömmliche Smartphones mit Glas-Displays.
  • Wenngleich die Zollangaben der ausgefalteten Displays ein Tabletformat verheißen, erreichen nicht alle Modelle ein videotaugliches Querformat. Schaut man auf Samsung und Huawei, entfaltet sich ein nahezu quadratisches Format. Da stellt sich die Frage: Wie viel Bildschirm bleibt beim Streamen schwarz?
  • Da die erste Generation der Foldables auf den Markt drängt, ist auch noch die Frage nach der Lebensdauer unbeantwortet. Samsung verspricht für sein Galaxy Fold, dass man das Foldable 300.000-mal öffnen und schließen kann. Über fünf Jahre hinweg könne man das Smartphone also jeden Tag etwa 163-mal entfalten und wieder zuklappen. Ob die Geräte wirklich so lange durchhalten, muss sich erst noch in der Praxis zeigen.

Welche Foldables sind bereits auf dem Markt?

Das Royole FlexPai ist das erste Falthandy auf dem Markt.
Überraschung: Noch vor Samsung und Huawei bringt Royole das erste Foldable raus: das FlexPai.

Das erste faltbare Smartphone auf dem Markt ist das FlexPai von Royole. Der chinesische Hersteller stellte sein biegsames Handy bereits Ende Oktober 2018 in Beijing vor. Mittlerweile können auch deutsche Kunden das FlexPai  ordern. Ab 1388 Euro ist das faltbare Gerät zu haben, das die Möglichkeiten von Smartphone und Tablet verbinden soll. Angetrieben wird es von einem Qualcomm Snapdragon 855-Prozessor. Das entfaltete Display löst mit 1920 x 1440 Pixel auf. Zur Ausstattung gehört auch eine Dualkamera.

Klappt wie ein Buch auf: das Samsung Galaxy Fold 5G.
Klappt wie ein Buch auf: das Samsung Galaxy Fold 5G.

Eine ganz neue Kategorie von Smartphones definiere das Samsung Galaxy Fold 5G, werben die Südkoreaner auf ihrer Website. Ein Schnäppchen ist das Samsung Fold nicht: Ab 2100 Euro ist das Falt-Handy der ersten Generation zu haben. Dafür beherrscht das Gerät, wie der Name schon verrät, den neuen Mobilfunkstandard 5G. Drei Fenster lassen sich parallel auf dem Foldable öffnen.  Dass das Multi-Tasking flüssig läuft, dafür sorgt unter anderem der 12 GB starke Arbeitsspeicher.

Huawei verschiebt zweimal Verkaufsstart

Lässt noch auf sich warten: das Huawei Mate X.

Das OLED-Display des Huawei Mate X breitet sich auf 8 Zoll aus. Die Besonderheit des Modells: Das Smartphone besitzt an der Seite einen Griffbereich, um es im aufgeklappten Modus leichter halten zu können. Zudem steckt im sogenannten Grip Pad unter anderem die Leica-Kamera. Wie Samsung hat auch Huawei zwei Akkus eingebaut, um den größeren Energiebedarf des Foldables zu decken. Wer an dem Mate X interessiert ist, kann es zwar auf der Website des Herstellers bereits von allen Seiten bestaunen, jedoch noch nicht erwerben. Der chinesische Konzern hatte ursprünglich Sommer 2019 für den Verkaufsstart angepeilt, den Termin inzwischen zweimal verschoben.  Wie Computerbild berichtet, ist das Falt-Handy erst einmal nur in China zu haben. Wann das Huawei Mate X in der restlichen Welt erhältlich sein wird, steht noch nicht fest. Der Konzern arbeite an einem Plan. Vermutlich für rund 2300 Euro will Huawei das Foldable an den Mann bringen.

Das Schnäppchen unter den Foldables

Wann das Xiaomi Mi Fold in Deutschland auf dem Markt kommt, ist noch nicht raus. Ein vom Konzern veröffentlichtes Video beweist zumindest die Existenz des Geräts. Xiaomis Präsident Bin Lin zeigt in dem Clip, wie das zweifach gefaltete Handy funktioniert. Eigentlich sollte das faltbare Smartphone bereits seit dem Sommer auf dem Markt sein, Auch bei Xiaomi scheint es zu Verzögerungen zu kommen. Immerhin will der Konzern das Mi Fold für rund 1000 Euro verkaufen, wie das Nachrichtenportal blick.ch berichtet.

Die Rückkehr des legendären razr

Motorola razr is back: Die Neuauflage ist das erste Foldable des Handyherstellers.
Das Motorola razr ist zurück: Für das erste Falthandy hat sich Motorola vom Design des Kult-Vorgängers leiten lassen.

Lange kursierten Gerüchte im Netz, dass sich Motorola anschickt, mit seinem Foldable eine Handy-Ikone zu neuem Leben zu erwecken. Bereits im Januar schrieb das Wall Street Journal von der Rückkehr des Kult-Handys Razr in Gestalt eines Foldables. Es sollte angeblich im Februar für 1500 US-Dollar den amerikanischen Markt erobern. Doch es dauerte etwas länger, bis sich die wiedergeborene Legende ins Rampenlicht traute. Im November präsentierte Motorola das neue razr. Zu haben ist es erst einmal nur in den USA beim Mobilfunkanbieter Verizon, berichtet das Nachrichtenportal Welt.de. Kostenpunkt: 1500 Dollar. Auf dem deutschen Markt soll sich das Motorola razr im ersten Halbjahr 2020 zeigen.

Das razr unterscheidet sich deutlich im Displayformat von den anderen faltbaren Smartphones. Der aufgeklappte Bildschirm verfügt über ein 21:9-Cinemaformat. Wie Motorola berichtet, hat der Konzern auf dem Weg zum ersten Foldable mehr als 20 Prototypen getestet. Dabei stellte sich heraus, dass die Mehrheit der potentiellen Käufer den bekannten horizontalen Klappmechanismus bevorzöge. Das razr wird vom Snapdragon 710, einem Octa-Core-Prozessor, angetrieben. Als Arbeitsspeicher stehen 6 GB RAM zur Verfügung. Der interne Speicher umfasst 128 GB. Motorola setzt auf das Betriebssystem Android 9. Dem Vernehmen nach kommt das razr für rund 1550 Euro auf den deutschen Markt.

Der etwas andere Weg zu mehr Display

Das LG  G8XThinQ  lässt sich um ein zweites Display erweitern.
Das LG G8XThinQ lässt sich um ein zweites Display erweitern.

Auf gänzlich andere Weise hat LG den Bedarf nach mehr Display gelöst. Seit Anfang November ist das neue LG G8XThinQ Dual Screen auf dem deutschen Markt. LG setzt auf zwei Displays, die sich gemeinsam nutzen lassen. Während Du auf dem einen Bildschirm einen Film schaust, schreibst Du auf dem anderen einem Freund. Beim Online-Shopping vergleichst Du in Echtzeit die Preise und feilst parallel noch an einer Präsentation. Und brauchst Du mal nur einen Bildschirm, koppelst Du den zweiten einfach ab und verstaust ihn in der Tasche.

Das G8XThinQ ist mit einem 6,4-Zoll-OLED-FullVision-Display, einer 32 MP-Frontkamera, einer Dual-Hauptkamera mit innovativen Foto- und Videomodi, zwei symmetrischen 1,2-W-Stereo-Lautsprechern, dem ersten Fingerabdrucksensor im Display eines LG Smartphones und einem 4.000 mAh-Akku ausgestattet. Der LG Dual Screen wird via USB-C-Anschluss mit dem Handy gekoppelt. Der zweite Bildschirm ähnelt optisch einer schmucken Handyhülle. Auf einer Außenseite sitzt ein praktisches Cover-Display, das Uhrzeit, Datum, Akkustand und weitere Benachrichtigungen anzeigt. Wahlweise lässt sich der Dual Screen als Gaming Controller oder kleine Laptop-Tastatur einsetzen – oder eben für andere parallele Aufgaben. Zu haben ist das andere Klapp-Handy ab 949 Euro.

Microsoft hat es getan: Der Windows-Konzern hat sich für sein neues Smartphone auf eine Liaison mit Google eingelassen. Vor drei Jahren ist das Unternehmen aus dem Handygeschäft ausgestiegen. Für die Rückkehr ins Smartphone-Geschäft setzt der Konzern nicht mehr aufs eigene Betriebssystem, sondern auf Android. Allerdings auf ein angepasstes. Die Benutzeroberfläche wirke mehr wie die von Windows X, das für faltbare Geräte entwickelt worden ist, berichtet das Technikportal t3n.
Doch nicht allein durch die Wahl des Betriebssystems überrascht das Surface Duo. Es ist ein Klapp-Handy. Wie LG setzt Windows nicht auf die empfindlichen Falt-Displays aus Kunststoff, sondern auf zwei Bildschirme, die zusammen agieren. Das neue Windows-Phone soll Ende 2020 erhältlich sein.

Die Gerüchteküche brodelt

Von einem Foldable aus dem Hause Sony kursieren bislang nur Gerüchte im Netz. Möglicherweise halten sich andere Hersteller mit Veröffentlichungen bislang zurück, um nicht in die Samsung-Falle zu tappen. Die Südkoreaner mussten den Verkaufsstart deutlich verschieben, nachdem unter anderem an Journalisten herausgegebene Testgeräte ziemlich schnell kaputt gingen. Das Nachbessern schadet gewiss dem Image und hält potentielle Kunden vom Kauf ab. Doch wenn die Gerüchteküche nicht irrt, werkelt Samsung bereits an einem zweiten Falthandy. Das soll sich dann aber wie das Motorola razr horizontal entfalten.

Wohin geht die Reise?

Wenngleich der Start für die neue Smartphone-Kategorie zunächst etwas holprig erscheint, ist nicht davon auszugehen, dass sich die Hersteller so schnell von den Foldables abwenden werden. In der Entwicklung stecken zu ungeheure Kosten, als dass ein Unternehmen seine Pläne rasch über Bord wirft. So habe etwa Huawei rund eine Milliarde US-Dollar in den Entwurf seines ersten Foldables investiert. Und nachdem die Smartphoneverkäufe in den vergangenen Jahren weltweit rückläufig sind, erhoffen sich die Hersteller durch die Falt-Geräte sicherlich wieder Zuwächse.

In welcher Gestalt sich die Foldables durchsetzen, wird die Zukunft zeigen. Eines ist aber gewiss, die faltbaren Displays werden bestimmt nicht nur auf Smartphones beschränkt bleiben. Denkbar sind etwa auch zusammenklappbare Tablets oder E-Reader.

Zu guter Letzt stellt sich die Frage: Welche Variante eines faltbaren Smartphones würdest Du bevorzugen? Überzeugt Dich mehr das buchähnliche Aufschlagen oder das an die Kulthandys vergangener Tage erinnernde Aufklappen? Oder ist Dir die Variante mit zwei Bildschirmen lieber? Schreibe uns gern in einem Kommentar, was Du von dem neuen Trend der Smartphone-Branche hältst.

Gefällt mir überhaupt nichtGefällt mir nichtOkayGefällt mirGefällt mir sehr (3 votes, average: 5,00 out of 5)
Loading...

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.