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Kabellos laden: Handynutzer befreien sich aus dem Kabelsalat

Adieu, Kabelsalat! Das kabellose Laden von Smartphones ist auf dem Vormarsch. Immer mehr Hersteller rüsten ihre Modelle – zumindest ihre Spitzenmodelle – mit dem Qi-Standard aus. Doch was sind eigentlich die Vorteile des Wireless Charging? Und wie wirkt sich die elektromagnetische Strahlung der Ladestationen auf die Gesundheit aus? Ein paar Smartphones haben dank des Qi-Standards gar ihre soziale Ader entdeckt.

Dank Qi-Standard lädt eine Station nicht nur Modelle eines Herstellers kabellos auf. Aufgetankt: Mittlerweile lassen sich immer mehr Handys kabellos aufladen.

Eigentlich ist die Sache mit dem kabellosen Laden ein alter Hut: Die Akkus elektrischer Zahnbürsten werden schon lange per Induktion aufgefüllt. Bei Smartphones wird das Wireless Charging derzeit als Trend gehypt. Ganz so neu ist das Laden ohne Kabel bei Handys jedoch nicht. Vorreiter war das Palm Pre. Bereits 2009 ließ sich das Smartphone des PDA-Pioniers (für jene unter Euch, die sich an die PDAs nicht mehr erinnern können: Der digitale Assistent war ein Vorfahre des Smartphones) induktiv aufladen. Nokia baute die Technik 2012 in die Lumia-Reihe ein. Samsung rüstet die Galaxy S-Modelle seit dem S6 (2015) mit der Ladefunktion aus. Apple ist mit dem iPhone 8 – also 2017 – eingestiegen. Doch augenscheinlich waren die Handynutzer seinerzeit noch nicht so weit, neben ihrer Zahnbürste auch ihr Telefon kabellos aufzuladen. Das scheint sich nun zu ändern.

Wie funktioniert das kabellose Laden?

Kurz gesagt: Ein magnetisches Feld überträgt den Strom von der Ladestation auf das Handy. Zwei winzige Spulen im Ladepad und in der Rückseite des Smartphones erzeugen das Magnetfeld.  Die Spule in der Ladestation wandelt den elektrischen Strom in ein magnetisches Energiefeld um. Ist das Smartphone nah genug, wird es also von dem Magnetfeld erfasst, transformiert die Spule im Handy die Energie in Gleichstrom und lädt so den Akku auf. In der Regel müssen die Smartphones auf den Ladestationen liegen oder stehen, damit der Mechanismus funktioniert.

Damit die Energie fließt, wie sie fließen soll, müssen die Spulen direkt übereinander liegen. Bislang darf der Abstand zwischen Ladestation und Gerät nur wenige Millimeter betragen. Manche Schutzhülle stört allein aufgrund ihrer Dicke das kabellose Laden des Akkus. Entwickler werkeln bereits an einer größeren Reichweite der Stationen ähnlich der von WLAN-Boxen.

Welche Vorteile hat das Wireless Charging?

  • Adieu, Kabelsalat!
  • Eine Ladestation für alle Geräte
  • Kein Verschleiß
  • Bequemes Aufladen

Der offensichtliche Vorzug, den das kabellose Aufladen birgt: Es macht Schluss mit der lästigen Fummelei. Statt das Ladekabel in die winzige Anschlussbuchse zu pfriemeln, legst Du Dein Handy einfach auf die Ladestation. Fertig. Ist der Akku aufgeladen, nimmst Du Dein Smartphone vom Ladepad. Du musst kein Kabel mehr verstauen, das Du beim nächsten Mal wieder suchst, weil Du vergessen hast, in welche Schublade Du es getan hast.

Die Qi-Technologie hat sich als Standard fürs Wireless Charging durchgesetzt. Anfangs konkurrierten drei Standards um die Gunst von Handyhersteller und Handynutzer. Für die Entwicklung hatten sich im Wireless Power Consortium mehrere Anbieter zusammengeschlossen. Dazu gehören unter anderem Samsung, Sony, Nokia und Apple. Qi (ausgesprochen: Tschi) arbeitet also herstellerübergreifend. Oder anders gesagt: Mit einem Samsung-Ladepad kannst Du auch ein iPhone aufladen. Und Du hast die Wahl: Du kannst auch zu Ladestationen von Drittanbietern greifen. Dank Qi-Zertifizierung laden sie alle Geräte auf, die sich nach dem Standard auftanken lassen.

Die Ladestationen gibt es mittlerweile in sehr dekorativer Gestalt. Sie sehen nach Holz oder Marmor aus. Auch lassen sie sich in Möbel integrieren. Du kannst sie in der Sofalehne versenken oder in der Schreibtischplatte. Ikea hatte zunächst in eine Schreibtischlampe ein Ladepad integriert. Inzwischen hat der schwedische Möbelhersteller seine Kollektion mit Ladefunktion erweitert. Auch Autohersteller bauen mittlerweile Ladestationen für Smartphones ein.

Doch das Laden ohne Kabel ist nicht allein bequem. Es schützt die Steckkontakte an den Smartphones und den Ladegeräten vor Verschleiß. Und geht’s ums Thema wasserdicht, ist es natürlich von Vorteil, bei der Konstruktion auf die Schwachstelle Ladebuchse verzichten zu können.

Welche Nachteile hat das induktive Aufladen?

  • Wireless Charging ist langsamer
  • Kontakt zur Ladestation verhindert Benutzung
  • Ladestation muss nachgerüstet werden
  • Höherer Energieverbrauch

In einem Punkt hängt das Kabel die schicken Ladepads deutlich ab: Wenn’s ums Tempo geht. Zwar gibt’s es mittlerweile auch gute Ladestationen, die das Schnellladen beherrschen. Doch so schnell wie das Kabel tanken sie die Handys noch nicht auf.  Ist der Akku leer, ruht das Handy mindestens zweieinhalb Stunden auf dem Ladepad.

Das geringere Tempo hängt unter anderem mit dem höheren Energieverbrauch zusammen. Bei der kabellosen Übertragung geht auf dem Weg von der Steckdose zum Akku mehr Energie verloren. Das verlängert den Ladeprozess. Stiftung Warentest hat ausgerechnet, dass Du durchs kabellose Laden einen Euro mehr pro Jahr an Stromkosten ausgibst.

Damit das Handy auf der Ladestation auftankt, müssen die Spulen ziemlich genau übereinanderliegen. Es sollte auch nicht verrutschen oder verschoben werden. Das könnte den Ladeprozess unterbrechen. Somit lässt sich das Smartphone kaum nutzen, solange der Akku auflädt. Auf einigen Ladestationen stehen die Handys, doch auch in dieser Position fällt die Bedienung schwer.
Damit dass Handy beim Laden nicht verrutscht, solltest Du am besten die Vibration ausschalten.

Die kabellosen Ladestationen gehören nicht zum üblichen Lieferumfang. Möchtest Du also diese Funktion nutzen, musst Du erst einmal investieren. Immerhin kannst Du auf das Produkt eines Drittanbieters zurückgreifen. Die sind meistens günstiger als die Pads der Handyhersteller. Gibt es Geräte von verschiedenen Herstellern in Deinem Haushalt, kannst Du Dir eine Ladestation aussuchen, die die Handys gleichermaßen schnell lädt. Die Netzteile werden bei den Ladestationen üblicherweise nicht mitgeliefert. So kannst Du Dich für einen leistungsstärkeren Adapter entscheiden und auch den Schnelllademodus nutzen.

Ist kabelloses Laden gefährlich für die Gesundheit?

Wie so oft sind sich die Experten uneins. Die einen stufen die geringe elektromagnetische Strahlung der Ladestationen als gefahrlos ein. Andere sehen bereits darin ein Risiko für die Gesundheit. Fakt ist, die Geräte haben eine sehr geringe Reichweite. Die Handys müssen noch aufliegen, um im Bereich des Magnetfelds zu sein. Werden die Ladestationen nicht benutzt, zeichnen sie sich durch eine extrem geringe Leistung aus. Das bedeutet, sie strahlen auch weniger. Dringlicher wird die Gesundheitsfrage sicherlich, wenn die Hersteller die Reichweite der Ladestationen erhöhen. Die Handys müssten also nicht mehr auf den Pads liegen. Sie würden aufgeladen werden, sobald sie in Reichweite wären. Das wäre in Sachen Strahlung ganz gewiss eine andere Hausnummer.

Welche Geräte beherrschen Wireless Charging?

Das kabellose Laden breitet sich aus unter den Smartphones. Doch die Hersteller rüsten vor allem die Top-Modelle mit der Induktionsfunktion aus. Apple stattet seit dem iPhone 8 alle Geräte mit der Qi-Technik aus. Samsung konzentriert sich auf die S-Klasse und die Note-Reihe. Bei den Mittelklasse-Handys der A-Reihe verzichten die Koreaner auf das kabellose Laden. Zu denen, die grundsätzlich auf Induktion verzichten, zählen etwa Motorola, OnePlus oder Honor. Das Fachmagazin Chip.de hat eine Preisgrenze ausgemacht: Handys bis 400 Euro werden in der Regel ohne Induktionsfunktion geliefert. Das Magazin hat auch verschiedene Qi-Ladegeräte unter die Lupe genommen. Ebenso wie das Fachportal connect, das sich angeschaut hat, was die verschiedenen Ladegeräte so draufhaben und wie teuer sie in der Anschaffung sind.

Grundsätzlich lassen sich ältere Geräte nachrüsten. Über ein sogenanntes Jacket, in dem sich eine Ladespule verbirgt, werden auch ältere Modelle Qi-fähig. Allerdings kommen sie nicht wirklich ohne Kabel aus. Über den USB- oder Lightning-Anschluss überträgt die Spule den Strom auf den Akku. Der Kontakt, der eventuell zur Datenübertragung oder für Kopfhörer benötigt wird, ist belegt. Keine besonders praktikable Lösung.

Reverse Charging: Das Smartphone teilt seinen Akku

Dank der Qi-Funktion werden manche Smartphones geradezu sozial. Bei Bedarf teilen sie ihre Akkuladung mit anderen Handys oder auch Kopfhörern und Zahnbürsten. Das können bislang nur sehr wenige Handys – unter anderem ein paar Top-Modelle von Samsung und Huawei.

Beim Reverse Wireless Charging werden die Handys selbst zu Ladepads und geben etwas von ihrer Akkuladung ab. Möglich ist auch, dass das Smartphone am Ladekabel hängt und zunächst ein anderes Gerät auflädt. Ist der Akku aufgetankt, entfernst Du das Gerät von der Rückseite des Smartphones und stellst die Option Reverse Wireless Charging aus. So lädt der Akku von Deinem Handy wie gewohnt am Kabel auf.

Grundsätzlich musst Du die Funktion fürs Energie-teilen aktivieren. Beim Huawei Mate 20 Pro schaltest Du das Reverse Wireless Charging unter den Akku-Einstellungen ein. Beim Samsung Galaxy Note 10 heißt die Funktion Wireless PowerShare und lässt sich über das Benachrichtigungsfeld aktivieren.

Geräte, deren Akkus auf diese Weise aufgefüllt werden, müssen nicht selbst teilen können. Entscheidend ist, dass die Geräte über den Qi-Standard verfügen. Sie lassen sich also grundsätzlich kabellos aufladen. Auch Smartwatches, Kopfhörern oder eben Zahnbürsten kannst Du so wieder auf die Sprünge helfen, falls mal keine Ladestation in der Nähe ist.

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